Wissenschaftsministerin Beatrix Karl fordert eine Neuordnung der Mediziner-Ausbildung. Bisher lege das Studium zu viel Wert auf reines Ansammeln von Wissen. “Nicht jeder, der ein Medizinstudium schafft, ist auch geeignet, mit Patienten umzugehen”. Daher sollen die Aufnahmetests erweitert werden. Soziale Kompetenz soll im Vordergrund stehen. Nun das ist prinzipiell ein interessanter Gedanke, wenngleich wie ich meine ein wenig reduziert vom Ansatz her:
1: Fraglich ist, ob ein Test an 18 oder 19-jährigen angehenden Studenten der Medizin jemals eine Aussage darüber zu Tage fördert, ob der Aspirant 10 oder 15 Jahre später ein “sozial kompetenter” Praktischer Arzt, Onkologe oder Psychiater sein wird.
2: Was bedeutet eigentlich “soziale Kompetenz” für einen Arzt und wer definiert sie? Fähigkeit zur Empathie oder dieselbe vorzugeben? Darstellung von Kompetenz? Leutseligkeit? Alles sehr relativ wie ich meine, zumal die Arzt-Patient-Interaktion auch sehr von persönlichen Erwartungshaltung und Vorlieben des Patienten abhängig ist. Mir persönlich ist es z.B. völlig egal ob der Arzt ein netter Kerl ist. Fachlich gut soll er sein.
3: Muss wirklich jeder Mediziner „sozial kompetent“ sein? Nun ist das sicher bei Kinderärzten und Praktikern wichtig, bei allen anderen (in Abstufungen) zuweilen völlig unnötig. Welche Sozialkompetenz (über das Maß der vorausgesetzten zwischenmenschlichen Höflichkeit hinausgehend) benötigt ein Orthopäde, Chirurg oder Augenarzt? Mir scheint hier die naturwissenschaftlich-handwerkliche Kenntnis wesentlich bedeutender. Außerdem: es gibt auch forschende Mediziner!
Zuletzt: Beabsichtigt Ministerin Karl den Ansatz zu erweitern? Demnach wird dann eine Art Berufstauglichkeitsprüfung wohl in allen Fächern zum Standard werden.
P.S.: Wichtig und gut argumentierbar würde ich so eine “soziale Kompetenz Prüfung” bei angehenden Lehrern halten!