23 Uhr – es fängt fragwürdig an – die Diskutanten marschieren (ungewohnter weise) auf – Nagiller inszeniert das Niedersetzen. Dann eine Rückblende inclusive der unvermeidlichen Masturbationsszene von Nina Hagen. Na gut. Im Gespräch zwischen Nagiller und Gallmetzer löst sich meine erste Ablehnung wieder auf: ich fühl mich wohl, wenn ich den Rudi Nagiller sehe und höre. Fühle mich zurück versetzt in Zeiten von Kreisky, Androsch, Taus und Mock. Emotional habe ich das Gefühl, der Club 2 war nie weg.
Allen medialen Unkenrufen zum Trotz wird der neue Club eine tolle Sache. Auch wenn die inhaltliche Seite der Diskussion ziemlich leer durchgeht – ich habe mitstenografiert, für alle, die es interessiert:

23 Uhr 10 – Marlene Streeruwitz bringt eine These, um die sich die Diskussion die weitere längste Zeit dreht: Medien sind zu billig – Geschenkt sei etwas für die Familie – Qualität soll etwas kosten. Man weiß nicht ganz, wo der nebulose Ansatz hin führen soll. Später spitzt sich dieser Ansatz auf eine Kritik an großen Medienkonzernen und -konzentrationen zu.
23 Uhr 20 – Dichand entfacht etwas, was an einem anderen Tag die Qualität eines Zickenstreits erlangen könnte. Sie ist Herausgeberin eines Gratismediums. Leider mangelt es aber an Botschaft bei Frau Dichand. Sie lebt in der knallharten Welt der Medienrealität und kennt sich aus bei Kapitaleinsatz, Medienprodukten, Content, User-generated-Content etc. Innerlich fragt sie sich: “Billige Medien – What shalls?” Viel mehr an Argumenten kommt auch später nicht mehr.
23 Uhr 30 – Medienphilosoph Hartmann will mit der provokanten Meldung punkten, dass die ORF-Gebühren zu hoch seien. Er relativiert damit geglückt, die “Medien-zu-billig-These” von Streeruwitz. Und will der ersten Sendung einen Akzent geben. Außerdem führt er noch den Begriff “Club 2.0″ ein – und das war es dann auch schon von seiner Seite.
23 Uhr 40 – Man ist sich einig, dass das Internet die Medienwelt verändert hat – der FM4-Internet-Experte sagt: alles ist demokratisch. Streeruwitz: Blogs sind lustvoll und verstärkend. Man weiß wieder nicht genau, wo sie hin will.
23 Uhr 45 – Medienunternehmer Michael Grabner: Medienkonzentration ist notwendig. Philosoph Hartmann will sich wirklich in die Geschichte des Club 2 spielen und zum Dauergast avancieren: er greift Grabner an (“Zynismus”), verweist auf Massenkündigungen von Qualitätsjournalisten in Deutschland – kann aber auf Nachfrage keine Beispiele nennen.
23 Uhr 49: jetzt kommt der Club auf den Punkt: Dichand fühlt sich angegriffen von Streeruwitz: bei mir sitzen 50 Leute in der Redaktion, die haben eigene Gedanken, da kann ich auch nicht runter gehen, und sagen, wir schreiben jetzt so. Sie hat nicht verstanden, was Kritiker zu Recht an einer rein kapitalistisch und lobbyistisch geführten Medienwelt bemängeln.
23 Uhr 54: Nur mehr konsumistische Muster – keine Information mehr, sagt Hartmann. Grabner stimmt in einem Punkt zu: Lobbyisten hätten in jüngerer Zeit an Bedeutung gewonnen.
Streeruwitz hat schon seit 20 Minuten nichts mehr gesagt.
Nagillers Fazit um Mitternacht: Wer bestimmt die Meinungen, diese Frage könne man nicht in einer Stunde beantworten. Aber was man feststellen kann: Verschiebung von den Schreibern zu den Medieneigentümern.

Gesamteindruck: sehr positiv, auch wenn die heutige Sendung keine Sternstunde war.
Man merkt erst, was einem abgegangen ist, wenn man wieder Philosophen mit Unternehmern streiten sieht. (Auch wenn kein brillanter Gedanke heraus kommt.) Hoffentlich treibt der ORF noch viele unverbrauchte Diskutanten auf.
Ich freu mich schon auf Club-2-Sendungen mit Wirtschafts- und Justizthemen.
Weiter so!