Die so genannten „Pendler“, also jene Menschen, die tätglich große Distanzen zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen, sind der Politik traditionell lieb und teuer. Sehr teuer sogar.
Die steigenden Treibstoffpreise haben daher umgehend zur Forderung diverser Wahlkäpfer geführt, Kilometergeld und „Pendlerpauschale“ – ein steuerlicher Ansetzbetrag – zu erhöhen, was vermutlich heute beschlossen werden wird.
Meine Meinung dazu ist, dass diese Reaktion, nämlich die weitere „Förderung“ des Pendeln aus mehreren Gründen falsch ist, denn Pendeln ist ein gesellschaftliches Übel, das nicht gefördert, sondern bekämpft werden sollte.
Die Gründe des Pendeln liegen auf der Hand: Die Menschen wohnen nicht dort, wo sie Arbeiten. Die Gründe dafür wiederum sind mannigfaltig. Verbundenheit mit dem Herkunftsort, günstige Grundstückspreise „am Land“, Wunsch nach dem Wohnen im Grünen, geringere Kosten etc.
Die Stadtflucht der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass – in der Steiermark ist es besonders schlimm – Regionen unfassbar zersiedelt sind. Ehemalige städtische Strukturen fransen zu „Ballungszentren“ mit Erstreckungen von mehr als 100 km aus, die fast gleichmäßig mit neu entstandenen Siedlungsräumen durchsetzt sind. Die verkehrsmäßige Erschließung besteht meist ausschließlich in einer Anbindung an eine Autobahn. Die Entwicklung der Verkehrs- und sonstigen Infrastruktur hat mit der Siedlungsentwicklung nicht mitgehalten, sodass es praktisch keine Nahversorgung, öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere aber auch keine Arbeitsplätze vor Ort gibt.
Das alles war natürlich nicht so tragisch, solange die 30, 40 oder 50 km Fahrt zur Arbeit kein so hoher Kostenfaktor waren. Diese Kosten wurden durch die billigen Grundstückspreise und Wohnkosten leicht kompensiert. Über die wirtschaftlichen Gesamtkosten dieses Verhaltens wurde nobel geschwiegen.
Jetzt beginnt sich die Situation zu ändern. Der Kostenfaktor „Fahren“ erhöht sich unaufhaltsam. Das wäre ja nun eine Situation, die geeignet wäre auf längere Sicht politisch eine Verhaltensänderung bei den Betroffenen herbeizuführen und den öffentlichen Verkehr sowie den „Wert“ des lokalen Lebens und Arbeitens ins Bewusstsein zu rücken.
Was tut die Politik? Das Gegenteil. Allenthalben wird darüber sinniert, wie man den „Betroffenen“ finanziell helfen könnte, damit sie nur ja länger ihr gesellschaftlich unsinniges Verhalten aufrecht erhalten können. Es wird also weder die politisch Entscheidung getroffen die geradezu zwingend vernünftig wäre, noch in Alternative investiert, wie etwa die bedingungslose Förderung öffentlicher Verkehrsmitte. Ein Zeichen für die fehlende Gestalungskraft der Politik.
Als Bürger ärgert mich das zweifach: Einerseits die so unglaublich offensichtliche populistische und tatsachennegierende Haltung der Politik. Keiner will die Wahrheit sagen, nämlich dass Individualverkehr in der heutigen Form nur mehr jene praktizieren werden, die es sich auch individuell leisten können und wollen.
Andererseits werde ich als Steuerzahler, der bewusst in der Stadt und nahe meinem Arbeitsplatz lebt gezwungen, den ganzen Spass über die Steuer mitzufinanzieren, obwohl er mir mehrfach schadet: Die Verkehrsbelastung in der Städten geht zu einem guten Teil auf Pendlerverkehr zurück. Das ist dem Pendler egal, er wohnt ja im Grünen. Ich zahle in der Stadt wesentlich höhere Steuern, Abgaben und Gebühren, die von anderen benutzt werden um an ihren Arbeitspatz zu gelangen. Ich erhalte trotz dieser Tatsache keine Steuervorteile.
Und nun soll man mir nicht mit der „Entvölkerung“ des ländlich Raumes kommen, wenn die Pendler in die Stadt zurückkehren. Faktum ist, dass die Entvölkerung der Städte durch die Flucht der Menschen in die Umlandgemeinden der eigentlich unnatürliche Prozess ist. Die Wirtschaftkraft einer Region muss halbwegs mit der Bevölkerungszahl korrelieren. Tut sich das auf Dauer nicht, muss es zu Zuzug oder Abwanderung kommen.
Die künstlich durch Pendler- statt Wirtschaftsförderung zu verhindern ist absurd.