Manager sind nach momentaner Lesart tendenziell eher die Bösen. Jede Menge gescheiterter Finanzgeschäfte wohin man auch schaut (BAWAG, HYPO, ÖBB etc).
Menschen und Medien sind erleichtert, denn es ist ja im Gefolge von Skandalen und am Vorabend der großen Krise doch ein wenig befreiend, wenn man Schuldige identifizieren und anprangern kann.
Man lese allerdings alle diese Notizen immer auch aus einer anderen Perspektive:
Wer sich in den Vorstand oder Aufsichtsrat einer Gesellschaft bestellen lässt, hat neben allen Fach- und Verwaltungsrechtsvorschriften auch eine Fülle von Spezialmaterien – bis hin zur Auslegung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung bei der Abbildung von Swap-Verlusten – zu beachten und deren Einhaltung zu verantworten.
Fragen Sie einmal 10 wirtschaftlich Gebildete in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis, wie man Hedges, Swaps, Termingeschäfte, Kostgeschäfte etc bilanziert – ob man sie überhaupt bilanziert, oder wovon ein Rückstellungsbedarf oder Wertberichtigungsbedarf abhängt. Sie werden auf Anhieb keinen finden, außer er ist Wirtschaftsprüfer und hat die wesentlichen Kommentarmeinungen aus den 1000-Seitern “Adler/Düring/Schmaltz” oder “Küting/Weber” auf Abruf.
Sie werden sagen, naja, aber dafür haben ja die hochbezahlten Manager ihre nicht minder hochbezahlten Berater. Und das “Schmerzensgeld” (= Jahresgage + Prämien) ist ja auch recht ordentlich.
Ich sage dazu aber: wir bewegen uns hier in einem Bereich, der erst unter den Suchscheinwerfern der gerichtlich beeideten Sachverständigen wirklich gut ausgeleuchtet wird und nahezu in jeder Einzelfrage gibt es neben der “hM” (herrschenden Meinung) mindestens eine Liste von 10 “aA” (anderer Ansicht).
Fazit: ich würde meinen, dass Ex-Vorstand Morgl in der Causa Hypo-Alpe-Adria recht hart beurteilt wurde, wenn es, was ich aus der Ferne nicht beurteilen kann, nicht unbedingt Finanzer ist. (Ich schreibe das wissend, dass Grundaussage zur Vorstands- und Geschäftsführerhaftung ist, dass es keine ressortmäßige Abgrenzung der Haftung gibt.)
Guenter Riegler