Der Film “The International” hat alle Zutaten, die ein Film aus der Kategorie “Toll für einen Sonntagabend” haben muss. Business-Ambiente, coole Autos, internationale Polizeibehörden mit CSI-Profiler-Qualitäten, verschiedene Locations quer über den Globus (New York, Milano, Berlin, Istanbul), ein Verbrecher-Milieu im Banker-Milieu (aber nicht Marke Helmut-Nadelstreif-Elsner, nein, der Vorstandsvorsitzende stets casually dressed, schlank, smart aber nicht Yuppie, eigentlich ein netter Familienvater der mal so nebenbei Tötungsaufträge vergibt, während er mit dem Sohnemann am Kamin “Go” spielt).
Trotzdem, irgendwas fehlte. Trotz aller hymnischen Kritiken, die bisdato zu lesen waren – irgendwie fehlte dem Film das letze Quentchen Groove. Steril, ja steril ist vielleicht der beste Ausdruck. Irgendwie reißbrettartig skizziert.
Außerdem – die Handlung. Da sitzt der Vorstandsvorsitzende mit einem afrikanischen General in einem Besprechungs-Salon des Hauptgebäudes in Luxemburg. Es geht um die Finanzierung eines Putsches, der den General in seinem Land an die Macht bringen soll. Der Zuschauer weiß sofort – okay, die Bank macht sowas, um nachher Umwegrentabilitäten zu erzielen und einen gefügigen Marionetten-Staatschef an der Hand zu haben. Trotzdem lässt das Drehbuch den General fragen: Warum wollen Sie das finanzieren, Sie müssen nämlich wissen, wir haben kein Geld. Der Vorstand erklärt ihm dann alles.
Schwer vorstellbar, dass ein afrikanischer General die weite Reise nach Luxemburg ins Hauptquartier einer Bank macht, ohne eine Vorstellung darüber zu haben, warum ihm die Bank einen Kredit geben soll. Hier – und in vielen anderen Situationen – hätte das Drehbuch den Umweg über eine Art Sherlock-Holmes-und-Doctor-Watson-Dialog machen müssen. ZB indem man ein Fernsehinterview einspielt, in dem ein Wirtschaftsexperte einem Journalisten erklärt, wie das internationale Kriegsfinanzierungsgeschäft läuft.
Oder man wählt einen Plot, bei dem es gar nicht so genau auf die konkreten Geschäftsfälle ankommt.
Dennoch – auf den Sonntagabend in zwei Jahren, wenn der Film im Fernsehen kommt, freu ich mich dann doch.
Autor: Günter Riegler