Archive for November, 2009

Allgemein, Zivilrecht

Wahrheitsbeweis

Der ehemalige Präsident des VfGH hat – in der Causa Kampusch – gesagt, für Natascha Kampusch wäre die Zeit ihrer Gefangenschaft womöglich “allemal besser” gewesen “als das, was sie davor erlebt hat”. (siehe ORF).

Adamovich hat angekündigt, er werde den Wahrheitsbeweis erbringen. Wahrlich eine probatio diabolica.
Fraglich, wie das gelingen soll – immerhin wird Adamovic ja mit einer Möglichkeits-Aussage zitiert. Er hat auf Grund seines Kenntnisstandes eine Einschätzung darüber abgegeben, ob es Natascha “möglicherweise” vor deren Entführung schlechter, als in der Gefangenschaft ergangen sein könnte.

Das Gericht wird daher beurteilen müssen, ob jemand, der den Kenntnisstand von Adamovich hat, nachvollziehbar zu dieser Einschätzung gelangen konnte. Es muss also Beweisgegenstand eine Art “typisierender Betrachtungsweise” sein, und nicht etwa, was tatsächlich von Mutter und Tochter empfunden wurde oder heute ausgesagt wird.

Gefühlsmäßig kann Adamovich dieser Beweis nicht gelingen – kann es tatsächlich vorstellbar sein, dass die Umstände einer jahrelangen Geiselnahme “typisierend” als “besser” (= angenehmer für die Geisel) vorstellbar sind, als es die Zeit in einer Familie gewesen sein mag, auch wenn es Konflikte und Probleme gegeben haben mag? Ich glaube nicht.

Allgemein

Nothing for Ungood

Zum Thema “Don’t learn German” ein witziger Weblog-Beitrag eines Amerikaners (John Madison), der zeitweise in Deutschland lebt und seine diesbezüglichen Erfahrungen schildert:

  • You probably know in German there are three different genders der, das, and die. So for every single noun out there, you need to memorize a gender as well (the are some rules for determining gender, but for every rule there are just as many exceptions as examples that fit, so you still have to memorize every single one individually). But you also need to change the article, based on the case that you are using the noun in. Let’s see what this looks like in German:
  • German
    Nominative der das die die (pl.)
    Accusative den das die die
    Dative dem dem der den
    Genitive des des der der

    Now let’s translate that table into English:

    English
    Nominative the the the the (pl.)
    Accusative the the the the
    Dative the the the the
    Genitive the the the the

    Do you really want to learn a language that has 16 ways to say the word “the”? And it doesn’t stop there, you need to learn 16 ways to say “a” (in English 2), and 32 ways to change adjective endings (in English we have 0). And you want to try to do this in real-time in your head while trying to carry one a conversation… forget about it.

    (Via Der Spiegel)

Allgemein, Musik, Lifestyle, Seitenblicke

Symbolon

Nun hab ich also auch den neuesten Dan Brown durch – gelesen in ungefähr fünf Sessions während der letzten zwei Wochen.

Was man dazu sagen kann, ohne allzu viel zu verraten: der Plot insinuiert, wie schon in den früheren Werken, dass der Menschheit ungeheure wissenschaftliche Offenbarungen und dramatische Unbrüche unmittelbar bevorstehen. Die Welt, so wird vermittelt, würde am Ende des Buches nicht mehr sein, wie wir sie kennen.
Auch diesmal kriegt Brown am Ende wieder die Kurve – das heißt: die Welt ist am Ende des Buches nach wie vor, so wie wir sie kennen, und dennoch ist man als Leser nicht enttäuscht, weil es halt mehr oder minder plausible Twists gibt, die die weltweite Kenntnisnahme dramatischer Entwicklungen letztlich doch verhindern.

Nunja, sollte Dan Brown jetzt wieder eine Schreibhemmung von fünf Jahren haben, wäre das auch ganz in Ordnung – nach 500 Seiten an Verschwörungstheorien und allerlei parawissenschaftlicher Spekulationen tut es gut, wieder anderes zu lesen. (Ich lese zum Beispiel gerade den letzten Weynfeldt von Martin Suter.)