Schon in den ersten Tagen der aschewolkenbedingten Luftraumsperre schreiben verschiedene Medien, zuletzt auch die Kleine Zeitung von morgen, makroökonomische Konsequenzen – Aschewolke erstickt Wirtschaftsaufschwung in Europa – herbei.
Nun wird man sicherlich aus berufenerem Munde in den nächsten Wochen Genaueres erfahren können – ich nehme aber schon heute das Thema zum Anlass, bei herbei geschriebenen “ökonomische Impacts” zumindest skeptisch zu sein.
Nehmen wir zB die marode Luftfahrt. Seit Jahren boomt die Nachfrage von Otto-Normalverbraucher, dass es kein Halten gibt. Städteflüge nach London oder Barcelona, ab Graz um 1 EUR plus Steuern ermöglichen heute breitesten Schichten, mal eben für ein verlängertes Wochenende aus dem Alltag raus zu fliegen.
Trotzdem – oder gerade wegen des extrem stark über den Preis geführten Wettbewerbs – krachen Fluglinien wie die sprichwörtlichen Kaisersemmeln. Wenn Alitalia oder Austrian Airlines in Schwierigkeiten geraten, wird das nach weitgehend übereinstimmender Ökonomenmeinung zu Recht als Strukturbereinigung beurteilt; wer sich angesichts sinkender Preise auf der Kostenseite nicht schnell genug adaptiert, droht aus dem Markt zu fallen. Darüber hinaus crashen auch schwachbrüstige Billigairlines, deren finanzieller Atem im Businessplan zu kurz bemessen ist.
Ich halte fest: die Krise der Luftfahrtindustrie ist keine Krise auf Grund der Aschewolke – der Wettbewerb ist lebendiger geworden und das zwingt zu Strukturanpassungen. Das kostet Geld – zB auch Investitionen in moderne Flughafenterminals – und die Sinnhaftigkeit dieser Investitionen ist auf der Hoffnung nach kontinuierlichem Wachstum gegründet. Die Frage lautet: sind alle diese Investments tatsächlich vernünftig – ist der überhitzte Wettbewerb Ausdruck von Gesundheit?
Zurück zur Ausgangsfrage: kann ein exogener Schock, der den Güter- und Leistungsaustausch kurzfristig beeinträchtigt, tatsächlich nachhaltige Folgen für das gesamte Wirtschaftswachstum haben? Immerhin werden ja Einkommen anders verteilt (zB an Hoteliers, wenn Flüge nicht abheben, oder an Eisenbahnunternehmen). Möglicherweise werden die Gelder für eine nicht zustande gekommene Reise anderweitig verwendet – zB für eine schöne Busreise an den Wolfgangsee. Möglicherweise werden notwendige Flüge nachgeholt und wichtige Besprechungen anstatt persönlich via Videokonferenz abgehalten.
Ich will gar nicht leugnen, dass exogene Schocks makroökonomische Auswirkungen haben können – die Dinge scheinen aber eine Spur anders zu liegen, als bei Erdölschocks – bei letzteren hängt ein ganzes Wirtschaftssystem an der Ressource, die kurzfristig nicht substituierbar ist. Ob das Lufttransportwesen geeignet ist, ähnlich dramatische Auswirkungen auszulösen, will ich zumindest in Zweifel ziehen.