Im Zusammenhang mit der ganzen Sache “Arigona” fällt eine Eigenart Österreichischer politischer Geisteshaltung auf: Einerseits ruft der Österreicher oft nach strengen Gesetzen, so z.B. im Arbeitsrecht, Steuerrecht, Strafrecht sowie insbesondere im Fremdenrecht. Natürlich soll auch der Vollzug rigoros von Statten gehen.

Anders sieht es dann aber im berühmten Einzelfall – oder wenn man selber betroffen ist – oft aus, da kann es den Österreichern oft gar nicht weichherzig genug zugehen, sodass dann mit Krampf und Not nach Ausnahmelösungen gesucht werden muss.

Dem gemäß beklagen es die Bürger und Gelehrten abwechselnd, wenn ein Politiker gesetzestreu handelt, genau so lautstark, wie wenn er es nicht tut. Paradebeispiel: Pflegeamnestie und Kindergeldrückforderung.

Ganz offen gesagt, verursacht mir diese Haltung manchmal geradezu Übelkeit. Einerseits die völlige Geringschätzung des Wertes einer gesetzmäßig handelnden Vollziehung. Andererseits aber auch die absurde Willkür, mit welcher sich des Volkes und der Medien Gunst über manche ausgießt. Und über viele, viele andere nicht. Oder glaubt jemand, dass auf diese Art die tatsächlich schlimmsten Schicksale herausgefiltert werden können?

Irgendwie bin ich froh, dass ich nichts zu entscheiden habe…