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Das beste in idealistischer Richtung – Alfred Nobels letzter Wille
Anlässlich der aktuellen Bekanntgabe des heurigen Nobelpreisträgers aus dem Literaturfach, sieht sich Lawontheblog veranlasst die Frage der Beurteilungskriterien die dem Nobelpreiskomitee zur Verfügung stehen zu beleuchten.
Wie gemeinhin bekannt, beruht die Vergabe der Nobelpreise ja auf dem Testament des Alfred Nobel aus dem Jahre 1895. Dieses ist auf Schwedisch gehalten, was dessen authentische Interpretation natürlich durchaus erschwert.
Die offizielle Seite der Nobelprize Foundation nobelprize.org übersetzt wie folgt: „…one part to the person who shall have produced in the field of literature the most outstanding work in an ideal direction…”, also auf Deutsch etwa “der in der Literatur das beste in idealistischer Richtung geschaffen hat“.
Die Testamentauslegung ist seit jeher, wahrscheinlich auch durch die damit natürlicher Weise im Zusammenhang stehenden Emotionen und Konfliktpotentiale, ein eigenes Gebiet der Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Die „Testierfähigkeit“ also die Fähigkeit seinen letzten Willen wirksam zu erklären, ist ebenso abweichend von der „normalen“ Geschäftsfähigkeit geregelt, wie die besonderen Auslegungsregeln der §§ 655 ff ABGB abweichend vom klassischen Vertragsrecht.
Gerade Bedingungen und Auflage des Erblassers werden nichts desto trotz durch die Erben regelmäßig einvernehmlich „weginterpretiert“, einen Testamentsvollstrecker, der die Einhaltung einer Verfügung kontrolliert gibt es praktisch nie.
Heute regeln vermögende Erblasser ihre Angelegenheiten viel häufiger nicht mehr durch klassisches Testamente, sondern durch Errichtung einer Stiftung zu Lebzeiten. Das ist wesentlich Bestandsfester gegen spätere Begehrlichkeiten der Erben.
Zumal Alfred Nobel diese Instrumente seinerzeitig nicht zur Verfügung standen, musste die Stiftung im Nachhinein errichtet werden, was wahrscheinlich gegen den Widerstand der Erben nicht möglich gewesen wäre.
Wenn ich nun die letztwillige Verfügung des Alfred Nobel interpretiere, lese ich da allerdings nicht, dass der Literaturnobelpreis nicht an Autoren vergeben werden soll, die über eine nennenswerte internationale Leserschaft verfügen. Aber natürlich betrachte ich die Vergabe an den mir (und einigen anderen) bisher völlig unbekannten Jean-Marie Gustave Le Clézio als wichtige Empfehlung.
10 Okt 2008 Johannes Pratl
